Zucker statt Glyphosat – eine gute Alternative?

Der Unkrautvernichter Glyphosat steht schon seit Jahren in der Kritik – Österreich will als erstes EU-Land den Einsatz komplett verbieten. Forscher wollen nun eine umweltfreundliche Alternative gefunden haben: Zucker!

An der Universität Tübingen wurde ein Zuckermolekül entdeckt, das auf Pflanzen eine ganz ähnliche Wirkung hat wie Glyphosat. Es hemmt das Wachstum bei Pflanzen, Bakterien und Pilzen. Konkret stoppt der Zucker mit der Bezeichnung 7dSh den sogenannten Shikimat-Stoffwechsel, der z. B. bei Pflanzen vorkommt, nicht aber bei Menschen oder Tieren. Dieser Stoffwechsel liefert wichtige Grundbausteine, um bestimmte Aminosäuren aufzubauen, die Bakterien oder Pflanzen fürs Überleben brauchen. Auch Glyphosat – das weltweit meistverwendete Herbizid – hemmt ein Enzym im Shikimat-Stoffwechsel. In der Folge gehen die Pflanzen nach einer Glyphosat-Behandlung zugrunde.

Der Vorteil gegenüber der chemischen Keule Glyphosat sei, so die Forscher, dass es sich bei dem Zuckermolekül um einen „reinen Naturstoff“ handle. Deshalb gehe man von einer sehr guten biologischen Abbaubarkeit aus.

Ob der Eingriff in den Shikimat-Stoffwechsel sich nicht doch negativ auf die Tierwelt auswirkt, ist jedoch umstritten. Im Fall von Glyphosat, dessen Wirkweise ja ebenfalls auf einem solchen Eingriff beruht, warnen Forscher, das Herbizid könnte Darmbakterien von Honigbienen abtöten und so deren Immunsystem schädigen. Und gerade die gute Abbaubarkeit könnte der vermeintlich vielversprechenden Glyphosat-Alternative zum Verhängnis werden. So wird in Forscherkreisen befürchtet, dass die Substanz auf dem Acker so schnell abgebaut wird, dass sie gar kein Unkraut beseitigen kann. Die bisherigen Versuche haben ausschließlich auf keimfreiem Laborboden stattgefunden.

Die echte Alternative: der Friedfertige Landbau

Angesichts der verzweifelt wirkenden Suche nach einer „umweltfreundlichen“ Ersatzlösung für Glyphosat stellt sich die Frage, ob es nicht auch eine ganz andere Herangehensweise geben könnte. Sind Pflanzen, die nicht der auf einem bestimmten Feld angebauten Kultur angehören, wirklich „Unkraut“, das es zu „bekämpfen“ oder gar zu „vernichten“ gilt?

Darauf gibt der Friedfertige Landbau im Spessart eine überzeugende Antwort – und das schon seit mehr als 35 Jahren. Sogenannte „Unkräuter“ gibt es für die Landwirte im Friedfertigen Landbau nämlich nicht. Wo „Beikräuter“ wachsen, bestimmt der Boden selbst, nicht der Landwirt durch das Spritzen von Herbiziden. Denn Beikräuter wie Mohn, Kornblumen, Disteln oder Kamille wachsen dort, wo sie für die Kulturpflanze oder den Boden hilfreich sind. Die Achtung vor dem Leben in allen seinen Formen ist hier die Grundlage für einen friedfertigen Umgang mit der Natur, in der jedes Kraut seinen Platz und seine Daseinsberechtigung hat.

Landwirtschaft im lebendigen Kommunikationsnetz der Natur

Hinter dieser Herangehensweise steht die Überzeugung, dass in der Natur alles zusammenwirkt und fein aufeinander abgestimmt ist: Der Boden mit seinen Bewohnern, die Mineralien, die Pflanzen, die Tiere, auch die Elemente Regen, Wind und Sonne. Dieses Zusammenwirken sorgt für ein gesundes Wachstum vitaler und schmackhafter Früchte. Der Landwirt im Friedfertigen Landbau versteht sich als Teil dieses großen, lebendigen Kommunikationsnetzes. So wie der Landwirt mit den Mitarbeitern die Arbeitsabläufe bespricht, so informiert er auch den Boden und die Pflanzen z.B. über die kommende Saat, über anstehende Pflegemaßnahmen oder die Bodenbearbeitung.

Im Friedfertigen Landbau wird gezielt darauf geachtet, das Bodenleben bestmöglich zu fördern. So erhalten die Kleinstlebewesen im Boden Stärkung durch Natursubstanzen wie z.B. eigens angesetzten Brottrunk, Laub, Kompost oder Gesteinsmehl. Weder Mist noch Gülle – und natürlich auch kein Kunstdünger – malträtieren die Böden. Der Boden wird schonend bearbeitet, nur leicht aufgelockert und nur in seltenen Ausnahmefällen gepflügt, um das Bodenleben zu schützen.

Während Chemiekonzerne nun angesichts des drohenden Glyphosat-Verbots Milliarden in die Entwicklung eines neuen Super-Herbizids investieren und Landmaschinenhersteller nach mechanischen Lösungen zur Unkrautvernichtung suchen, zum Beispiel mithilfe von Lasern, geht der Friedfertige Landbau im Spessart weiter konsequent seinen Weg. Den Weg einer nachhaltigen Landwirtschaft, die den Boden fruchtbar hält, durch Verzicht auf „Nutztierhaltung“ das Klima schont und giftfreie Lebensräume für Tiere, Insekten und Kleinstlebewesen schafft. Es ist eine friedfertige Landwirtschaft, die an die Zukunft denkt – und so auch ihrer Verantwortung für die kommenden Generationen gerecht wird.