Weltklimarat dringt auf nachhaltige Landnutzung – aber wie geht das?

Der neue Sonderbericht des Weltklimarats IPCC spricht eine klare Sprache: Dürren und Hitzewellen nehmen zu, fruchtbare Böden gehen verloren, es droht Nahrungsmittelknappheit. Der Klimawandel wird zur Existenzfrage.

Laut dem Bericht haben sich die Landflächen seit Ende des 19. Jahrhunderts um rund 1,5 Grad Celsius erwärmt. Unter Berücksichtigung der sich langsamer erwärmenden Meeresflächen sei die globale Temperatur insgesamt um knapp 0,9 Grad gestiegen. Ganze Klimazonen hätten sich nach Norden verschoben; in den Tropen könnte ein neues Heißklima entstehen, in dem der Anbau von Nahrungsmitteln kaum mehr möglich sei. Durch Übernutzung der natürlichen Ressourcen verstärke der Mensch die Umweltfolgen – Landwirtschaft und Waldzerstörung seien starke Treiber des Klimawandels.

Experten fordern radikales Umsteuern

Unerlässlich sei vor diesem Hintergrund eine radikale Kehrtwende bei der Landnutzung. Die internationale Gemeinschaft müsse sofort handeln, um die wachsende Erdbevölkerung dauerhaft ernähren und zugleich das Klima schützen zu können. Demnach lässt sich nur mit einer naturnäheren Landwirtschaft, dem Ende der Waldzerstörung und weniger Fleischkonsum die globale Erderhitzung bis zum Jahr 2100 bei 1,5 oder 2 Grad stoppen. Denn die Land- und Forstwirtschaft steuert laut IPCC rund 23 Prozent der vom Menschen verursachten Treibhausgase bei. Überdacht werden müsse die gesamte Kette der Erzeugung und des Konsums von Nahrungsmitteln. Eine ausgewogene Ernährung, die verstärkt auf Gemüse und Getreide setze, könne dazu beitragen, die Kohlendioxid-Emissionen wesentlich zu senken.

Von zentraler Bedeutung sind im Kontext der dramatischen Klimasituation die Böden. 500 Millionen Menschen sind bereits von wachsenden Wüsten betroffen, ein Viertel allen urbaren Landes hat laut den Experten durch menschliche Aktivitäten bereits an Qualität verloren. Durch das konventionelle Pflügen von Böden etwa gehe bis zu 1000 Mal mehr Boden verloren als neu gebildet werde.

In ersten Reaktionen auf den Bericht wird eine nachhaltige und innovative Landwirtschaft gefordert, um die Anpassung an den Klimawandel zu schaffen. Aber geht es jetzt wirklich um „Innovation“- oder nicht eher um die Besinnung auf eine Art der Landwirtschaft, in der sich der Mensch als Teil der Natur versteht und entsprechend achtungsvoll mit den Ressourcen umgeht?

Der Friedfertige Landbau: nachhaltig anbauen im Einklang mit der Natur

Seit mehr als 35 Jahren geht der Friedfertige Landbau im Spessart konsequent einen anderen Weg als die industrialisierte Landwirtschaft. Statt auf maximalen Ertrag mit entsprechender Ausbeutung der Böden setzen die Landwirte im Friedfertigen Landbau auf einen achtsamen Umgang mit der Natur. Dabei gilt es für sie, die Kommunikation mit der Natur wieder zu erlernen: Was benötigen die Böden und Pflanzen für ein gesundes Wachstum? Das gilt es wahrzunehmen, um so dem Leben, das in allem ist, nachhaltig zu dienen.

Der größte Schatz: ein gesundes Bodenleben

Folglich wird im Friedfertigen Landbau das Bodenleben gestärkt, also die Mikroorganismen im Erdreich: durch natürliche Substanzen wie eigens angesetzten Brottrunk, Urgesteinsmehl, Laub und Kleie usw. Diese Kleinstlebewesen sorgen in der Folge dafür, dass die Pflanze erhält, was sie benötigt.

In einem Teelöffel gesunden Ackerboden leben mehr Organismen, als es Menschen auf der gesamten Erde gibt – sind die Böden durch den jahrelangen Einsatz von Agrarchemie und einen pausenlosen Anbau ausgelaugt, kann dagegen von einem „Bodenleben“ nicht mehr die Rede sein. Dann muss künstlicher Dünger das ersetzen, was bei guter Pflege der Böden ganz natürlich vorhanden wäre. Kunstdünger, aber auch Mist und Gülle als vermeintlicher „natürlicher Dünger“ bringen jedoch nur kurzfristig Erfolg – auf längere Sicht wird auf solchen Böden kaum mehr etwas wachsen, weil das Bodenleben stark darunter leidet. Gerade auch die stickstoffhaltigen Kunstdünger führen zur Versalzung und Versauerung der Böden, wodurch das für das Bodenleben ideale Milieu gestört wird und die vielen Mikroorganismen absterben. Erosion und Versteppung sind die Folgen.

Ruhepausen für die Felder und schonende Bearbeitung

Im Friedfertigen Landbau wird nicht nur das Bodenleben gestärkt, die Felder bekommen alle drei Jahre mit der sogenannten „Brache“ eine verdiente Ruhepause. In diesem Jahr kann sich der Boden wieder regenerieren und für die kommenden zwei Bewirtschaftungsjahre Kräfte sammeln, um wieder gute, gesunde Früchte hervorzubringen.

Den Böden mit Achtung und Fürsorge begegnen – dazu gehört auch, dass die Landwirte im Friedfertigen Landbau den Boden nur leicht auflockern durch Grubbern und nur in seltenen Ausnahmefällen schonend und möglichst flach pflügen, um so die Bodenschichten nicht unnötig durcheinanderzubringen.

Dass eine nachhaltige Landnutzung, wie der Weltklimarat sie von der Landwirtschaft einfordert, möglich ist, beweist der Friedfertige Landbau seit mehr als 35 Jahren in der Praxis. Nachhaltig Landwirtschaft betreiben lässt sich allerdings wohl nur, wenn sich der Mensch wieder als Teil des Netzwerks „Natur“ versteht. Ohne Erde, Wasser, Luft und Sonne und ohne Kommunikation zu Tieren, Pflanzen und Mineralien könnte der Mensch nicht leben. Und ohne Achtung vor der Natur und den Tieren, ohne das Bewusstsein der Einheit allen Lebens wird er das Erdreich wohl gerade in Zeiten des Klimawandels nicht dauerhaft so bestellen können, dass es als gesunde Lebensgrundlage erhalten bleibt.