Humusaufbau: Landwirtschaft als Klimaretter?

Humus, die organische Bodensubstanz, sichert nicht nur die Fruchtbarkeit der Böden. Er bindet auch klimarelevante Gase wie CO2 und spielt damit eine wichtige Rolle für den Klimaschutz.

Dass Humusaufbau gut fürs Klima ist, hat nun auch der Bayerische Bauernverband entdeckt. „Humusaufbau ist Klimaschutz! Und die Landwirtschaft ist die einzige Branche, die den Humusgehalt im Boden aktiv erhöhen kann“, so Bauernpräsident Walter Heidl Ende November 2019. Allerdings bedeute es für jeden Ackerbauern „eine gewaltige Anstrengung“, Humus aufzubauen. Deshalb müsse die damit verbundene CO2-Bindung den Bauern entsprechend vergütet werden.

Dem unbedarften Verbraucher drängt sich hier unweigerlich eine Frage auf: Warum muss Humus überhaupt mühsam aufgebaut werden? Ist Humus als Gesamtheit der abgestorbenen pflanzlichen und tierischen Stoffe und ihrer Umwandlungsprodukte nicht ein natürlicher Bestandteil des Bodens? Tatsache ist, dass der Humusanteil der landwirtschaftlichen Böden kontinuierlich sinkt. Als Ursache werden eine intensive, unausgewogene Düngung angeführt, aber auch die intensive Bewirtschaftung der Böden. Man könnte also den Eindruck gewinnen, dass die Landwirtschaft nun ein Problem beseitigen möchte, das sie selbst verursacht hat – gegen Zahlung von Fördermitteln.

Landwirtschaft geht auch anders: der Friedfertige Landbau

Kann man Landwirtschaft im 21. Jahrhundert überhaupt noch anders betreiben als „intensiv“? Der Friedfertige Landbau im Spessart zeigt seit mehr als 35 Jahren, dass ein Anbau im Einklang mit der Natur möglich ist, bei dem Menschen, Pflanzen und Tiere gleichermaßen zu ihrem Recht kommen. Die Grundhaltung, die dahintersteht, ist ein friedfertiger Umgang mit dem Leben in allen seinen Formen – und das einmalige Konzept „Vom Anbau bis zum Kunden, alles aus einer Hand.“

Das Bodenleben ist von zentraler Bedeutung

„Das Wertvollste ist ein gesundes Bodenleben“, so ein Landwirt im Friedfertigen Landbau. „Die unendlich vielen Lebewesen im Boden sind unsere besten Mitarbeiter, die das ganze Erdreich durchlüften, indem sie z. B. – wie der Regenwurm – viele Röhren in den Boden graben, so dass das Wasser auch bei starkem Regen gut aufgenommen werden kann.“ Es geht also im Friedfertigen Landbau ganz grundsätzlich darum, das Bodenleben zu stärken – und damit Humus zu erhalten und neuen aufzubauen.

„Zum einen bringen wir den Feldern Urgesteinsmehl, das ist ganz fein gemahlener Stein, der viele Mineralstoffe enthält, die für das Bodenleben vor allem auch über einen längeren Zeitraum wichtig sind“, erklärt der Landwirt aus dem Spessart. „Dann geben wir den Feldern Kleie, also die Schalen vom Getreidekorn aus unserer hauseigenen Steinmühle. Und eine weitere Art des natürlichen Düngens ist, dass wir im Herbst Laub aufsammeln, es zerkleinern und gemischt mit Kleie und Urgesteinsmehl und z. B. Dinkelspelzen aus unserer Mühle überall auf die Felder ausbringen, sobald man im Frühjahr wieder auf die Felder fahren kann.“ Eine Besonderheit ist, dass die Felder auch mit Brottrunk gestärkt werden. „Ein Teil des Brotes, das nicht verkauft wird, wird gemischt mit Natursauerteig, Wasser und auch Mehlresten aus unserer Bäckerei und so zu einem wertvollen Brottrunk verarbeitet.“ Das Wirtschaften im Betriebsverbund macht eine solche Verwertung in einem gesunden Kreislauf möglich – und das seit über 35 Jahren.

Eine bunte Vielfalt an Blütenpflanzen

Im Friedfertigen Landbau wird noch in der bewährten Dreifelderwirtschaft angebaut. „Die Felder bekommen jedes dritte Jahr die Möglichkeit, das hervorzubringen, was die Erde selbst wachsen lassen möchte“, erklärt uns der Landwirt. „Dabei beobachten wir, dass eine bunte Vielfalt an Blütenpflanzen wie Kamille, Mohn und Kornblumen aus der Erde kommen, die wir nicht gesät haben.“ Wie die Erfahrung im Friedfertigen Landbau zeigt, wachsen diese sogenannten Beikräuter dort, wo sie für die Kulturpflanze oder den Boden hilfreich sind. „Sie zeigen, was der Boden benötigt und helfen auch dem Boden, sich selbst wieder zu heilen.“

Mit einer Landwirtschaft, wie sie im Friedfertigen Landbau praktiziert wird, ist der Humusaufbau also keine zusätzliche „gewaltige Anstrengung“ – er ergibt sich sozusagen ganz natürlich aus der Herangehensweise. Der Friedfertige Landbau schont das Klima übrigens nicht nur auf diese Weise. Da es im Friedfertigen Landbau keine Nutztierhaltung gibt, entfallen schädliche Methangas-Emissionen und das Grundwasser wird rein gehalten, da es auch keine Nitrateinträge durch Gülle gibt. Wenn sie so betrieben wird, kann Landwirtschaft also durchaus ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Gesundes Land – seit 1983 Friedfertiger Landbau
Regional, klimafreundlich, nachhaltig – gestern, heute, morgen!