Die wahre Krise des 21. Jahrhunderts: weltweites Artensterben

Vom Klimawandel und seinen dramatischen Folgen ist momentan überall die Rede. Dabei darf das massenhafte Artensterben nicht aus dem Blick geraten – es ist laut Wissenschaftlern eines der drängendsten Probleme der Menschheit.

Im Oktober 2020 treffen sich im chinesischen Kunming die Vertragsstaaten der Uno-Biodiversitätskonvention, um einen Fahrplan für den Schutz der biologischen Vielfalt zu verabschieden. Erste Entwürfe der Gipfeldokumente sind jüngst veröffentlicht worden: demnach will man bis zum Jahr 2030 ein Drittel der Land- und Meeresflächen der Erde als Schutzgebiete ausweisen. Dazu soll u.a. der Nährstoffeintrag ins Meer durch Überdüngung um 50% reduziert werden.

Dass es der Mensch ist, der das sechste große Massensterben in der Erdgeschichte verursacht, steht mittlerweile außer Frage. „Diesmal sind wir der Asteroid“, formuliert es der Evolutionsbiologe Matthias Glaubrecht. Bis Mitte des 21. Jahrhunderts werden bis zu einer Million Tier- und Pflanzenarten verschwinden. Ein Hauptaugenmerk der Wissenschaftler liegt dabei auf den Insekten. Man schätzt, dass weltweit die Population von 41 Prozent der Insektenarten abnimmt, ein Drittel aller Insektenarten ist vom Aussterben bedroht. Dass die Biomasse an Insekten dramatisch eingebrochen ist, weist laut Glaubrecht darauf hin, dass tatsächlich die industrialisierte Landwirtschaft mit ihren weltweit eingesetzten hochwirksamen und leicht verteilbaren Giften der ursächliche Grund und Auslöser des allgemeinen Artenschwundes ist.

Landwirtschaft muss Insekten schützen

Wie wichtig gerade Insekten für das Leben auf unserer Erde sind, stellt der kürzlich erschienene Insektenatlas heraus. Ein sehr großer Teil der Pflanzenwelt ist auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen, außerdem zersetzen sie Dung und abgestorbene Pflanzen oder Tiere und verbessern so die Qualität der Böden. Die industrielle Landwirtschaft mit ihren immer größeren Feldern, Pestiziden und monotonen Landschaftsstrukturen stellt laut Insektenatlas eine der größten Bedrohungen für Insekten dar. Deshalb müsse die Landwirtschaft Teil der Lösung werden.

Wie aber kann man Landwirtschaft betreiben und gleichzeitig Arten schützen? Wenn ein Drittel der Erde zum Schutzgebiet werden soll, muss ja sicher auf den betreffenden Flächen auch ein Anbau erfolgen – wie aber kann das funktionieren?

Der ökologische Landbau bietet laut Insektenatlas verglichen mit der konventionellen Landwirtschaft den Insekten und der Biodiversität deutliche Vorteile. So kommen auf ökologisch bewirtschafteten Flächen 23 Prozent mehr blütenbesuchende Insektenarten vor als auf konventionellen Flächen.

Doch der ökologische Landbau erwirtschaftet geringere Erträge und verbraucht daher mehr Fläche. Bedenkt man allerdings, dass für den globalen Fleischkonsum fast 80% der weltweiten Agrarflächen genutzt werden, liegt der Schlüssel zur Lösung auf der Hand: eine nachhaltige Landwirtschaft, die nicht nur ökologisch ist, sondern in mehrfacher Hinsicht vegan. Das bedeutet, dass die zur Verfügung stehenden Flächen für den Anbau von menschlicher Nahrung genutzt werden statt für Futtermittel und – da keine Nutztierhaltung betrieben wird – auch nicht für die Entsorgung von Mist und Gülle herhalten müssen.

Eine solch nachhaltige Landwirtschaft gibt es schon – seit über 35 Jahren: es ist der Friedfertige Landbau im Spessart.

Natürliche Artenvielfalt im Friedfertigen Landbau

Im Friedfertigen Landbau wird die Natur nicht ausgebeutet. Die Böden werden sorgfältig gepflegt, z.B. indem die Kleinstlebewesen durch Natursubstanzen gestärkt werden. Das Bodenleben wird weder durch Mist und Gülle noch durch Kunstdünger malträtiert. Durch die Dreifelderwirtschaft mit Brache haben die Felder die Möglichkeit, sich alle drei Jahre zu regenerieren und neue Kräfte zu sammeln.

Wenn man an Feldern steht, die im Friedfertigen Landbau bewirtschaftet werden, merkt man sofort den Unterschied. „Das ist ein Bild, das dem normalen Landwirt nicht ins Konzept passt, denn bei ihm darf nichts wachsen außer der Kulturpflanze“, berichtet ein Landwirt im Friedfertigen Landbau. „Bei uns im Konzept ‚Vom Anbau bis zum Kunden’, das auch den Friedfertigen Landbau beinhaltet, ist es ein völlig anderes Bild. Auf unseren Feldern freuen wir uns, wenn z.B. neben dem Getreide andere Pflanzen wachsen – wir nennen sie nicht Unkräuter, sondern Beikräuter.“ Diese Beikräuter nämlich wachsen dort, wo sie für die Kulturpflanze oder den Boden hilfreich sind – und bieten nebenbei Nahrung für Insekten.

„Im Sommer ist in unseren Feldern ein Leben und ein Gezwitscher und ein Summen und Brummen – das kann man sich so überhaupt nicht vorstellen“, erläutert unser Landwirt. Artenvielfalt ist sozusagen eine natürliche Begleiterscheinung dieser Anbauform, wird darüber hinaus aber auch gezielt gefördert. „Wir säen immer wieder Blühstreifen an die Feldränder, damit noch mehr Blütennahrung für die Insekten da ist, und lassen sie ganz bewusst ausblühen bis zur Ernte hin“, erklärt uns der Landwirt. „Dort können sich die Insekten sehr viel Nahrung holen und Unterschlupf finden. Die Hasen knuspern gern an den Gräsern und Kräutern, die dort wachsen.“

Auch in den Apfelgärten des Friedfertigen Landbaus wird der Artenreichtum unterstützt. Hecken, Steinbiotope, Feuchtbiotope, Vogelnistkästen und Insektenhotels bieten Lebensraum für unterschiedliche Tierarten – auch hier also ein völlig anderes Bild als in der Monokultur herkömmlicher Apfelplantagen. Groß angelegte Bienenweiden erlauben es den Insekten, über das Jahr auch immer wieder Nahrung zu finden.

Landwirtschaft lässt sich also auch so betreiben, dass sie Tieren Nahrung und Lebensräume bietet, statt die Artenvielfalt zu zerstören. Die Achtung vor dem Leben in allen seinen Formen ist die Grundvoraussetzung dafür, wie sie im revolutionären Konzept „Vom Anbau bis zum Kunden“ und dem Friedfertigen Landbau gelebt und praktisch umgesetzt wird.

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